Mastodon Schirrmacher führt Gespräche zum Schutz von Kindern auf den Philippinen – Thomas Paul Schirrmacher
 
 

Schirrmacher wird vom Chef der philippinischen Nationalpolizei, Polizeigeneral Jose Melencio Corpuz Nartatez Jr., begrüßt © BQ/Martin Warnecke

Der Präsident der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (ISHR), Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, hat bei einem Besuch auf den Philippinen mit hochrangigen Vertretern der Philippine National Police (PNP), der Zivilgesellschaft und christlicher Organisationen über den Schutz von Kindern vor Menschenhandel, sexuellem Missbrauch und Ausbeutung beraten. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der zunehmenden sexuellen Ausbeutung von Kindern über das Internet und auf der Frage, wie Strafverfolgung, soziale Hilfe und neue technische Möglichkeiten wirksam miteinander verbunden werden können.

Gespräche mit der Philippine National Police

Im Hauptquartier der Philippine National Police in Camp Crame in Metro Manila wurde Schirrmacher von der Führung der Polizei empfangen. Im Mittelpunkt standen Menschenhandel, Kindesmissbrauch und insbesondere Online Sexual Abuse and Exploitation of Children (OSAEC). Zu den Gesprächspartnern gehörten Police General Jose Melencio Corpuz Nartatez Jr., Police Brigadier General Maria Sheila T. Portento, Acting Chief of the Women and Children Protection Center (WCPC), sowie Police Brigadier General Rex Arvin T. Malimban, Acting Director of the Integrity Monitoring and Enforcement Group (IMEG), der für die Bekämpfung von Korruption und Fehlverhalten innerhalb der Polizei zuständigen Einheit.

Die starke digitale Vernetzung des Landes wird auch für Formen von Cybersex-Trafficking, Livestream-Ausbeutung und andere Formen sexualisierter Gewalt gegen Kinder missbraucht. Armut und soziale Not erhöhen die Verwundbarkeit vieler Familien. Wirksamer Kinderschutz verlangt deshalb mehr als die Identifizierung und strafrechtliche Verfolgung der Täter: Opfer müssen aus Ausbeutungssituationen herausgeholt, geschützt und langfristig begleitet werden.

An den Gesprächen beteiligte sich auch Maria Lourdes „Meilou“ Aranal-Sereno, ehemalige Chief Justice des Supreme Court der Philippinen und Vorsitzende der National Coalition for the Family and the Constitution. Die Begegnungen unterstrichen die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit von Polizei, Justiz und Zivilgesellschaft.

Foto 2: Die Generäle und Führungskräfte der philippinischen Nationalpolizei sowie die Delegierten der Nationalen Koalition für die Verfassung mit Thomas Schirrmacher © BQ/Martin Warnecke

DejaVue: KI-gestützte Werkzeuge gegen Online-Ausbeutung

Ein eigener Schwerpunkt war der Einsatz künstlicher Intelligenz und moderner digitaler Werkzeuge gegen Menschenhandel und Online-Ausbeutung. KI-gestützte Systeme können Ermittler dabei unterstützen, große Datenmengen auszuwerten, verdächtige Online-Aktivitäten und Muster zu erkennen, Kommunikations- und Finanznetzwerke zu analysieren und grenzüberschreitende Ermittlungen zu beschleunigen.

Vor dem Hintergrund der Zusammenarbeit der ISHR mit DejaVue AI Inc., einem US-amerikanischen Unternehmen für KI-basierte Lösungen, stellte Schirrmacher bei den Gesprächen mit der philippinischen Polizei auch Möglichkeiten solcher Technologie vor. Gerade bei sehr großen Mengen von Bildern und anderem digitalem Material können entsprechende Werkzeuge Ermittlungsbehörden helfen, Zusammenhänge schneller zu erkennen, Opfer zu lokalisieren und kriminelle Strukturen aufzudecken. Schirrmacher betonte zugleich, dass technologische Innovation immer an ethische Verantwortung und internationale Menschenrechtsstandards gebunden bleiben müsse.

Von Ernährungshilfe bis zum Schutz missbrauchter Mädchen

Wie die notwendige langfristige Begleitung gefährdeter und bereits betroffener Kinder aussehen kann, wurde bei Besuchen von Einrichtungen von HOPE worldwide Philippines deutlich. Die Organisation arbeitet seit 1993 mit bedürftigen Kindern, Jugendlichen und Familien und verbindet Ernährung, Bildung, Gesundheitsversorgung, Familienhilfe und Kinderschutz.

Im Center of HOPE in Baseco im Hafengebiet von Manila lernte Schirrmacher die Arbeit in einer der ärmsten und dicht besiedelten Gemeinden der Hauptstadt kennen. Neben Bildungsangeboten gehört ein Ernährungsprogramm für Kinder zu den zentralen Aktivitäten. Mitarbeiter begleiten zudem Familien und Kinder, die von Armut, Vernachlässigung und Ausbeutung bedroht sind.

Das Center of HOPE in Laguna konzentriert sich stärker auf Kinder, die bereits Gewalt und Missbrauch erlebt haben. Dort werden unter anderem Mädchen betreut, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Sie erhalten eine sichere Unterkunft, psychosoziale Betreuung, schulische Unterstützung, medizinische Versorgung und individuelle Begleitung.

Die Besuche machten sichtbar, dass Kinderschutz als zusammenhängende Kette verstanden werden muss: von Ernährung, Bildung und Prävention über die Identifizierung gefährdeter Kinder bis zur sicheren Unterbringung und Rehabilitation von Opfern sowie zur strafrechtlichen Verfolgung der Täter.

Schirrmacher trifft sich mit Vertretern der philippinischen Nationalpolizei und der Nationalen Koalition – Logos der Nationalen Koalition © BQ/Martin Warnecke

Langjährige Partnerschaften schaffen Vertrauen

HOPE worldwide Philippines wird seit vielen Jahren von internationalen Partnern unterstützt. Dazu gehören die deutsche Hilfsorganisation Gebende Hände sowie US-amerikanische Partnerorganisationen. Die über lange Zeit gewachsene Unterstützung von Kindern und insbesondere missbrauchten Mädchen schuf auch Vertrauen und Glaubwürdigkeit für die Gespräche mit staatlichen Stellen. Gebende Hände unterstützt unter anderem Ernährungs- und Sozialprogramme und setzt dabei auf vorhandene lokale Strukturen statt auf kurzfristige Parallelprojekte.

Zivilgesellschaft, Kirchen und Staat gemeinsam

Ein weiterer Schwerpunkt war die Zusammenarbeit mit der philippinischen Zivilgesellschaft. Schirrmacher traf Vertreter der National Coalition for the Family and the Constitution sowie Bishop Noel Pantoja vom Philippine Council of Evangelical Churches (PCEC). Kirchen und christliche Organisationen verfügen vielerorts über Strukturen bis in sozial besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen hinein und können bei Prävention, Bildung, Familienhilfe und der Identifizierung gefährdeter Kinder eine wichtige Rolle spielen.

Für die ISHR steht die Verbindung von Menschenrechtsschutz und praktischer Hilfe im Vordergrund. Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Kindern können weder allein durch Strafverfolgung noch allein durch Sozialarbeit bekämpft werden. Erforderlich ist ein Netzwerk aus Polizei und Justiz, Menschenrechtsorganisationen, sozialen Einrichtungen, Kirchen und weiteren Akteuren der Zivilgesellschaft – ergänzt durch verantwortungsvoll eingesetzte technische Innovation.

„Der Schutz von Kindern vor Menschenhandel und sexueller Ausbeutung ist eine klassische Menschenrechtsaufgabe“, erklärte Schirrmacher. „Entscheidend ist, dass diejenigen zusammenarbeiten, die jeweils einen Teil der Lösung beitragen können: Polizei und Justiz, Menschenrechtsorganisationen, soziale Einrichtungen, Kirchen und die Zivilgesellschaft. Neue technische Möglichkeiten können diese Arbeit erheblich unterstützen, müssen aber dem Schutz der Menschenwürde und klaren ethischen Standards dienen.“

HOPE-Geschäftsführer Moises „Jun“ G. Velasco Jr. führt Thomas Schirrmacher und Martin Warnecke durch Baseco. Die Vertreter von Gebende Hände gewinnen einen unmittelbaren Eindruck von den Lebensbedingungen der Familien und dem Bedarf an Hilfe vor Ort. © BQ/Martin Warnecke

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