Mastodon Menschenrechtler rufen zu mehr Engagement und Schutz für Christen in Ägypten auf – Thomas Paul Schirrmacher
 
 

Screenshot der Veranstaltung während der Videobotschaft von Mariam Youssef Asaad Hanna

Am 27. Mai veranstaltete ADF International in Wien eine Presskonferenz zur systematischen Entführung, Zwangsislamisierung und Zwangsverheiratung von christlichen Mädchen und Frauen in Ägypten. An dem Expertengespräch nahmen unter anderem die Bereichssprecherin für Menschenrechte des ÖVP-Parlamentsklubs, Dr. Gudrun Kugler, der Präsident der koptischen Menschenrechtsorganisation EUCHOR, Medhat Klada, der Botschafter für Menschenrechte und Mitherausgeber der Jahrbücher zur Religionsfreiheit und Christenverfolgung, Martin Lessenthin, der Jurist und Pressesprecher der internationalen Gesellschaft Orientalischer Christen (IGOC), Medhat Klada, sowie Dr. Felix Böllmann von ADF International und der President der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (ISHR) und des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (IIRF), Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, teil. 

Im Zentrum der Veranstaltung stand der Fall der 17-jährigen autistischen Koptin Silvana Atef Fanous, die im Oktober 2025 in Oberägypten entführt wurde und deren Familie seither unermüdlich nach ihr sucht. Mariam Youssef Asaad Hanna, die Mutter des Entführungsopfers Silvana, brachte ihre Not und Verzweiflung in einem Videobeitrag zum Ausdruck. Laut der Expertise der Experten ist Silvanas Schicksal exemplarisch für das seit Jahrzehnten andauernde Leid christlicher Familien in dem nordafrikanischen Land. Obwohl Christen in dem mehrheitlich muslimischen Land offiziell rechtlichen Schutz besitzen, sei davon in der Lebenswirklichkeit koptischer Gläubiger nichts zu spüren.

Der Menschenrechtsexperten Martin Lessenthin wies auf die unter Kopten verbreitete Verschwörungstheorie hin, dass der ägyptische Präsident ihre „allerhöchste Schutzmacht“ gegen islamistische Übergriffe sei. Der Alltag der christlichen Minderheit belege aber das Gegenteil. Laut Schätzungen gäbe es mehr als 5000 Entführungen mit anschließender Zwangskonversion zum Islam jährlich. Täter würden dabei von den lokalen Behörden eher geschützt und unterstützt als die Opfer. Der Leitung der koptisch-orthodoxen Kirche warf Lessenthin mangelnde Courage vor. Aus Angst vor Repressionen und Benachteiligungen würden deren Vertreter eher schweigen. Das gelte auch für koptische Kirchenvertreter in Europa.

Thomas Schirrmacher, dessen Statement im Folgenden vollständig wiedergegeben wird, sagte, dass die Entführung, Zwangsverheiratung und Versklavung von Mädchen und Frauen weltweit als Waffe gegen religiöse oder ethnische Minderheiten eingesetzt würde. Auch in Ägypten sei das so zu beobachten.

Screenshot der Veranstaltung während der Rede von Thomas Schirrmacher

Statement von Thomas Schirrmacher: Die Entführung und Zwangsverheiratung von Mädchen als Waffe gegen religiöse und ethnische Minderheiten

Die Entführung von Mädchen und auch verheirateten Frauen, oft mit anschließender Zwangsverheiratung oder Versklavung, ist in vielen Konflikten bewusst als Kriegs  und Terrorwaffe ein-gesetzt worden – auch und gerade gegen religiöse oder ethnische Minderheiten.

Entführung und Zwangsverheiratung dienen dabei dazu, psychologischen Terror zu verbreiten, Familienstrukturen zu zerstören und die Zugehörigkeit der Opfer zu ihrem eigenen Volk oder ihrer Religion zu brechen. In bewaffneten Konflikten wird sexualisierte Gewalt (Vergewaltigung, Sklaverei, Zwangsprostitution) systematisch eingesetzt, um Gegner zu demoralisieren oder ethnische Grenzen neu zu ziehen oder einfach auch nur um Macht und Gewalt zu demonstrieren.

Im Bosnienkrieg in den 1990er Jahren entführten und vergewaltigten serbische Milizen Zehn-tausende muslimische Mädchen und Frauen, oft nach Trennung von ihren Familien, um die muslimische Bevölkerung zu terrorisieren und zu verdrängen.

Tausende jesidische Mädchen und Frauen wurden 2014 im Nordirak entführt, in „Marktplätze“ eingeteilt (Jungfrauen, verheiratete Frauen, Mütter), und als Sex Sklavinnen oder Zwangs „Ehefrauen“ an Kämpfer und Käufer verkauft.

Burmesische Sicherheitskräfte in Myanmar setzten in brutalen „Clearance Operationen“ systematisch sexuelle Gewalt und Versklavung von Rohingya Frauen und  Mädchen ein. Erschreckenderweise setzt sich dies in den Flüchtlingslagern der Rohingya in Bangladesch fort, wo dann die Täter derselben Religion angehören wie die Opfer.

In ethnischen Konflikten in Afrika (z.B. die LRA in Uganda oder Konflikte in Tigray) sind Entführungen von Frauen und Mädchen zur Zwangsverheiratung mit Kämpfern dokumentiert und werden bewusst zur Unterwerfung ganzer Gruppen eingesetzt.

UN Berichte sprechen ausdrücklich von sexueller Gewalt als Kriegs  und Terrorwaffe und zählen Entführung, Zwangsprostitution und Zwangsverheiratung dazu. Gegen die gezielte Zwangsverheiratung und Versklavung Angehörigen ethnischer und religiöser Minderheiten wird in mehreren Resolutionen der UN und der EU Menschenrechtsinstanzen betont, dass solche Praktiken Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder Kriegsverbrechen darstellen.

Doch es gibt diese Verbrechen auch in vermeintlichen Friedenszeiten: In Pakistan sind vor allem junge Mädchen aus christlichen und hinduistischen Minderheiten be-troffen. Die Täter entführen die Minderjährigen häufig, zwingen sie zur Konversion zum Islam und verheiraten sie anschließend mit meist älteren Männern. Obwohl nationale Gesetze gegen Kinderehen und Zwangsverheiratung existieren, werden diese oft aufgrund gesellschaftlichen Drucks und mangelnder Umsetzung durch Behörden nicht konsequent angewandt. Das Oberste Gericht von Pakistan hat gerade in einem skandalösen Urteil vom 25.3.2026 die Ehe zwischen einer entführten 13-jährigen Christin und ihrem 30jährigen Entführer bestätigt.

Screenshot der Veranstaltung

Zwangsislamisierung in Ägypten

Die Problematik der Entführung minderjähriger christlicher Mädchen in Ägypten mit dem Ziel der Zwangsislamisierung und Zwangsverheiratung an muslimische Männer ist ein schwerwiegendes und seit Jahren bekanntes Menschenrechtsproblem. Betroffene Familien und Menschenrechtsorganisationen berichten immer wieder von Fällen, in denen junge koptische Christinnen verschwinden und anschließend gegen ihren Willen zum Islam konvertieren müssen.

Die Entführungen verlaufen häufig nach einem ähnlichen Muster, bei dem die Mädchen nach ihrem Verschwinden unter Zwang oder durch Manipulation dazu gebracht werden, eine offizielle Konversion zum Islam zu erklären. Sobald ein solcher Übertritt offiziell registriert ist, ist eine Rückkehr zum Christentum nach ägyptischem Recht und gesellschaftlicher Praxis faktisch nicht möglich.

Kritiker und Menschenrechtsgruppen beklagen regelmäßig ein Versagen der staatlichen Behörden bei der Aufklärung dieser Fälle. Die Polizei reagiert in vielen Situationen zögerlich, etwa indem sie Vermisstenanzeigen nicht oder erst zu spät entgegennimmt. Häufig werden die Entführungen von offizieller Seite als freiwillige Übertritte aufgrund von Liebesbeziehungen dargestellt, womit eine ernsthafte strafrechtliche Verfolgung der Täter oft unterbleibt.

Für die betroffenen Familien stellt der Verlust ihrer Kinder eine enorme psychische Belastung dar, die durch die häufige Drohkulisse und die mangelnde Unterstützung durch die Behörden weiter verschärft wird. Diese Situation hat in der koptischen Gemeinschaft Ägyptens zu einer tiefen Unsicherheit und dem Gefühl geführt, dass junge christliche Frauen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit einem besonderen Risiko ausgesetzt sind. Einige Beobachter weisen zudem darauf hin, dass den Opfern im Falle einer geglückten Flucht teilweise sogar Gewalt durch ihr eigenes familiäres Umfeld drohen kann, da die Konversion zum Islam als Schande für die christliche Familie empfunden wird.

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