Mastodon Erklärung bei der CHARIS-Begegnung am 30. Mai 2026 – Thomas Paul Schirrmacher
 
 

Erklärung von Erzbischof Thomas Schirrmacher am 30. Mai 2026 bei der CHARIS-Begegnung mit Papst Leo XIV.

Von 2006 bis 2011 war ich an der Erarbeitung des Dokuments „Christliches Zeugnis in einer multireligiösen Welt“ beteiligt – eine Erfahrung, die mein Leben verändert hat. Das Dokument wurde 2011 schließlich von der katholischen Kirche, dem Ökumenischen Rat der Kirchen und der Weltweiten Evangelischen Allianz unterzeichnet und veröffentlicht. Bis heute ist es das einzige Dokument, das jemals von diesen drei Körperschaften gemeinsam unterzeichnet wurde, die die Mehrheit der Christen und Kirchen weltweit repräsentieren.

Das Dokument beginnt mit folgenden beiden Sätzen:

„Mission gehört zutiefst zum Wesen der Kirche. Darum ist es für jeden Christen und jede Christin unverzichtbar, Gottes Wort zu verkünden und seinen/ihren Glauben in der Welt zu bezeugen. Es ist jedoch notwendig, dies in Übereinstimmung mit den Prinzipien des Evangeliums zu tun, in uneingeschränktem Respekt vor und Liebe zu allen Menschen.“

Daher überrascht es nicht, dass die Idee, bis 2033 die Welt mit der Botschaft von Jesus Christus zu erreichen, von Anfang an ökumenisch war. Das zeigen die 2007 von Olivier Fleury ins Leben gerufene Initiative „JC2033“ und ähnliche Initiativen.

Die Leitung des Ökumenischen Rates der Kirchen hat sich öffentlich mit JC2033 befasst und damit Unterstützung signalisiert. Auf einer weltweiten Konferenz rief Empowered21, das „globale Netzwerk geisterfüllter Christen“, die Initiative „EveryONE/Amsterdam2023–2033“ ins Leben, mit dem Ziel, dass „bis Pfingsten 2033 jeder das Evangelium hören wird“. Die Pentecostal World Fellowship verabschiedete eine Resolution, die ihre Mitgliedskirchen ermutigt, den Missionsauftrag bis 2033 zu erfüllen. Im Oktober 2025 hielt die Weltweite Evangelische Allianz ihre Generalversammlung in Seoul, Korea, unter dem Motto „Das Evangelium für alle bis 2033“ ab.

Doch welchen Wert hätte all dies, wenn die größere Hälfte der christlichen Welt, die katholische Kirche, abseitsstünde?

Global 2033, ein katholisches Konsortium unter der Moderation von Henry und Sabina Capello, will die katholische Hierarchie weltweit gewinnen und aktivieren und zugleich alle katholischen Gläubigen ermutigen, dem Aufruf von Papst Franziskus und Papst Leo XIV. zum Zeugnis zu folgen. Dabei sollen insbesondere moderne digitale Möglichkeiten genutzt werden.

Ein deutlich sichtbares Zeichen der Hoffnung ist, dass die katholische charismatische Erneuerung (CHARIS) mit Unterstützung von Papst Franziskus eine „Agenda 2033“ entwickelt und zu ihrem zentralen Thema gemacht hat. Das ist bedeutsam, weil es mehrere Hundert Millionen katholische Gläubige betrifft, die bereit sind, ihren Glauben mit anderen zu teilen.

Noch wichtiger ist aber, dass die katholische charismatische Erneuerung die bedeutendste ökumenische Brücke zu vergleichbaren Bewegungen in nichtkatholischen Kirchen bildet. Darüber hinaus führt sie Katholiken und Charismatiker, Pfingstler und Evangelikale im Alltag der Gläubigen zusammen, die gemeinsam Gottesdienst feiern, beten und handeln. Deshalb erfüllt mich meine Mitarbeit an der Agenda 2033 von CHARIS mit so großer Freude! Ich wurde erstmals einbezogen, als ich vor Jahren Pino Scafuro kennenlernte und wir Papst Franziskus baten, die Agenda mit einer Videobotschaft zu unterstützen.

Bevor wir uns nun zu sehr begeistern, muss ich etwas ansprechen, das mir große Sorgen bereitet. Doch zuvor möchte ich ausdrücklich versichern, dass ich hier keine weltweite Organisation vertrete. Ich kann nur für die Kirchen sprechen, mit denen ich als Bischof verbunden bin: die evangelikal-anglikanisch-charismatischen Gemeinschaften Conservative Anglican Church, Communio Christiana und Communio Messianica. Letztere ist eine weltweite Gemeinschaft von Christen mit muslimischem Hintergrund, deren „Mentoring-Bischof“ ich bin. Sie steht an vorderster Front der Evangelisierung und möchte Ende des Jahres ihre ersten Bischöfe weihen.

Was also bereitet mir Sorgen? Obwohl es weltweit eine Dynamik gibt, die Welt bis 2033 zu evangelisieren, arbeitet in der Praxis jede Gruppe noch immer weitgehend für sich allein. Oft herrscht sogar die Vorstellung, das, was andere Konfessionen tun, sei eigentlich keine „Evangelisierung“. In meinem eigenen Umfeld werde ich heftig kritisiert – aber auch unterstützt –, weil ich mich für konkrete gemeinsame Vorhaben einsetze, statt lediglich parallele schriftliche oder mündliche Erklärungen abzugeben.

Meine größte Hoffnung, die Hindernisse für ein gemeinsames Zeugnis vor der Welt in der Kraft des Heiligen Geistes zu überwinden, ist CHARIS. Jeder, der weiß, dass er durch Jesus Christus gerettet ist, sollte gemeinsam mit anderen, die dasselbe glauben, Zeugnis für seinen Herrn und Erlöser ablegen können – ganz gleich, welchem Lager er angehört!

Die heutige Begegnung macht deutlich, dass es für den gesamten Leib Christi gemeinsam Segen und Auftrag ist, der Welt zu bezeugen, dass Jesus Christus Herr und Erlöser zugleich ist, wie es das Glaubensbekenntnis von Nizäa vor 1700 Jahren so klar formuliert hat.

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