Schirrmacher hielt Festrede beim Galadinner
Am Internationalen Holocaust-Gedenktag hielt Erzbischof Thomas Paul Schirrmacher, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (ISHR), eine Grundsatzrede beim Festessen in Jerusalem anlässlich des 70-jährigen Jubiläums der Konferenz Europäischer Rabbiner.

Erzbischof Schirrmacher während seiner Grundsatzrede in Jerusalem © ISHR/Martin Warnecke
Schirrmacher betonte, dass der Holocaust-Gedenktag uns daran erinnere, dass Menschenrechtsverletzungen so weit eskalieren können, dass Millionen Menschen getötet werden, und dass der Aufruf zur Auslöschung der Juden bereits vor 2.700 Jahren in der Zeit der alten Ägypter, Griechen und Römer stattfand. Es gibt weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart einen vergleichbaren Aufruf gegen eine andere ethnische oder religiöse Gruppe. Man habe zwar das Recht, die aktuelle Politik Israels zu kritisieren – so wie wir jede Regierung, jede Partei oder Koalition kritisieren dürfen und viele Juden dies auch selbst tun –, aber man müsse darauf achten, nicht den Eindruck zu erwecken, dass Israel als solches beseitigt werden solle, denn dann wäre Israel der einzige Staat, dessen Zerstörung als einzige Lösung angesehen wird. Der Slogan „Vom Fluss bis zum Meer, Palästina wird frei sein“ (‘From the river to the sea, Palestine will be free’) impliziert die Zerstörung Israels und seiner Bürger. Niemand fordert die Zerstörung Nordkoreas oder des Iran oder der koreanischen und iranischen Bevölkerung wegen der Diktatoren, die sie regieren. Warum geschieht dies dann nur im Falle Israels? Schirrmacher betonte, dass das Gleiche auch umgekehrt gilt: Es kann kein Heiliges Land ohne seine arabischen und palästinensischen Bürger geben.

Thomas Schirrmacher wird vom Präsidenten des CER, Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt (links), angesprochen, siehe auch (von links nach rechts) den Minister für Multikulturalismus aus Aserbaidschan, den israelischen Kulturminister und Gady Groning, CEO des CER © ISHR/Martin Warnecke
Schirrmacher nahm zudem an einer Abrahamischen Podiumsdiskussion mit dem muslimischen Minister und Exekutivdirektor des Baku International Centre for Multiculturalism, Dr. Ravan Hasanov, aus Aserbaidschan und dem jüdischen Minister Amichai Elyahu aus Israel teil. Er betonte die wichtige Rolle hochrangiger religiöser Führer, sich gegen religiösen Extremismus, insbesondere innerhalb ihrer eigenen Religion, auszusprechen, sowie die Notwendigkeit, dass die drei abrahamitischen Religionen zusammenarbeiten, um Extremismus zu bekämpfen und Menschenrechte zu fördern.
Siehe auch: ‘Jews are hated because of Abraham’s God’: Bishop Schirrmacher against antisemitism – interview